„Unvergessen“: Arbeit an neuem Filmprojekt läuft auf Hochtouren

Posted by on Jan 22, 2017 in Allgemein, Beiträgearchiv

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Das Team arbeitet bereits seit Oktober am neuen Projekt und meldet sich nun erstmals an Presse und Öffentlichkeit.

Unvergessen München, der 22. Juli 2016: Die Bilder vom Amoklauf am Olympiaeinkaufszentrum sind den Meisten immer noch gegenwärtig.Nicht umsonst wurde eines davon das Bayerische Pressefoto des Jahres 2016: Wartende schwer bewaffnete Polizisten vor dem Münchner Karlstor.

Seltener wurde allerdings von den vielen Jugendlichen, die viel zu früh von uns gingen, berichtet: Den Opfern des OEZ-Amoklaufs.
Manche Medienvertreter gaben vor allem dem Täter die Chance sich zu profilieren, verborgen blieben jedoch auszeichnende Persönlichkeiten, die Charaktereigenschaften und Geschichten, hinter den Verstorbenen: Wer waren diese Münchner? Was hatten sie bereits erreicht? Wovon träumten sie? Warum mussten sie sterben?

„Der Augenblick nimmt, was Jahre geben“- Goethe

Sechs Schüler und Filmemacher aus dem Landkreis der Großstadt machen es sich nun zur Aufgabe diese bislang kaum thematisierten Geschichten im Detail mithilfe eines Filmes nachzuerzählen.

Schwierige Projektwahl nach Bildungssystem-Reportage

Die Filmcrew „MovieJam Studios“, bestehend aus sechs Zehntklässlern des Lise-Meitner-Gymnasiums in Unterhaching, produzierte 2015 eine Dokumentation über das Attentat bei den Olympischen Spielen 1972.
Diese gewann beim „flimmern&rauschen Filmfestival“ eine besondere Anerkennung und wurde somit zu Münchens zweitbesten Jugendfilm. Ein Jahr später wurde das Endprodukt im Free-TV ausgestrahlt.
In der Cineasten Szene knüpften sie wertvolle Kontakte, wie beispielsweise mit dem Bayerischen Rundfunk in Freimann, mit muenchen.tv, Rodney Sewell, einem freien Video-Editor und Regisseur oder Sebastian Wild von Tele5.
Es bildete sich zudem ein Schauspielernetzwerk von München bis nach Rostock.
Auch auf verschiedenen politischen Veranstaltungen traten die Querdenker als Gastredner auf. 2016 löste die Reportage „Das (Bildungs)system“ einige Kontroversen mit dem Kultusministerium und Bildungsdiskussionen im Landkreis München aus.
Beide Filme feierten im größten Kinokomplex der Landeshauptstadt, dem Mathäser-Filmpalast, vor mehreren Hundert Personen Premiere. Ermöglicht wurde dies durch Unterstützung von Telefonica, o2, der Deutschen Kinder-und Jugendstiftung, der Rodney Sewell Filmproduktion und dem Mathäser-Filmpalast.

Als plötzlich zwei Tage vor der Premierenveranstaltung die Tragödie im Münchner Norden ihren Lauf nahm, änderte sich die Gefühlslage im Team. Die Stadt befand sich im Ausnahmezustand.

Über eine Absage der lang ersehnten Uraufführung wurde nachgedacht. Schlussendlich entschied sich das Team am 23. Juli, einem Tag nach dem Amoklauf und einem Tag vor der Premiere, alles wie geplant stattfinden zu lassen- stets mit tief verankerten Hintergedanken.
Diese verfolgten das Jugendteam, MovieJam Studios, bis zur Themenwahl für ein neues Projekt. Die meisten Verstorbenen waren genauso alt wie die Filmcrew. So entstand eine „besondere Verbindung.“- Einfacher ausgedrückt: Die Teenager hatten oft dieselben Wünsche, Hoffnungen und Träume, wie die Macher noch heute.

Fokus auf eine detaillierte Recherchearbeit

Ende September entschieden sich alle Teammitglieder für die Thematik um das „OEZ“.
Unter der Prämisse möglichst genau auf die Verstorbenen einzugehen, begann eine über zweimonatige Recherchearbeit.
Einmal pro Woche versammelte sich das gesamte Team, um Ergebnisse zusammenzutragen und Fortschritte zu besprechen.

Neues wegweisendes visuelles Konzept

Der Film zeigt zwei wichtige Kernaspekte auf. Primär auszeichnende Geschichten aus dem Leben der einzelnen Opfer, aufgegriffen in einer teils kinematischen, teils dokumentarischen Erzählweise, in der die Angehörigen auch vom Tatabend berichten sowie sekundär Einzelberichte wichtiger Helferorgane, wie beispielsweise der Sanitäter oder dem Kriseninterventionsteam in Analyse der Vergangenheit, jedoch auch mit wegweisendem Ausblick in die Zukunft der Gesellschaft in Zeiten des Terrors, oft dominiert von Gewalt und Leid.

Angehörige sehen das Projekt positiv

Nach einer ausführlichen Vorrecherche und erfolgreichen Personensuche nahmen die sechs Jugendlichen erstmals Kontakt mit zwei Angehörigen auf.
Diese waren positiv überrascht, dass eine Schülergruppe solch ein Projekt zu stemmen vermag.
Die zwei Befragten sind fest der Überzeugung, dass München den Amoklauf und die Opfer „niemals vergessen darf“.
Durch ein Vorgespräch, indem die Unterhachinger Schüler mehr über die Persönlichkeiten der Opfer erfahren konnten, überzeugten sie bereits eine Angehörige an einem 45- minütigen Interview teilzunehmen.
Auch der Pressesprecher der Polizei München Markus da Gloria Martins sagte dem Team mit großem Interesse seine Teilnahme am Projekt zu. Zudem realisierte das Filmteam bereits ein langes Interview mit Peter Zehentner, dem Leiter des Münchner Kriseninterventionsteams.

Partner heißen das Konzept gut

Zwei Jahre lang unterstützten Telefonica sowie die Deutsche Kinder-und Jugendstiftung MovieJam finanziell. Deren Stützpunkte befinden sich weitentfernt in Berlin.
Deswegen suchten die Schüler nach Partnern vor Ort.
So unterstützte das Medienzentrum München des JFF das Vorhaben mithilfe eines Sponsorings. Rodney Sewell, ein Filmemacher mit über 40 Jahren Berufserfahrung und Thomas Kupser, der sich in vielen sozialen Münchner Projekten wie dem „Kino Asyl“ engagiert, sagten Hilfe durch Mentoring zu.
Des Weiteren besteht Kontakt mit der Antonio Amadeu Stiftung, die sich mit der Arbeit gegen den Rechtsextremismus auseinandersetzt. Weitere Finanzierungsmöglichkeiten werden derzeitig geprüft.
Auch dieses Mal ist eine große Premierenveranstaltung in Planung. Diese wird womöglich in der Woche zum Jahrestag des Amoklaufs im erinnernden Gedenken stattfinden.

Kritische Reflexion des Tatmotives

Es gilt ein angehbares Thema als Jugendliche durch eine Auseinandersetzung mit rechtsextremistischem Gedankengut neu zu beleuchten: Ein Amokläufer kommt aus einem besser gestellten Stadtteil, in einen sozial schwächeren und ermordet Jugendliche mit Migrationshintergrund. Es liegt daran Vorurteile aus dem Weg zu räumen, nebenbei ein Integrationszeichen setzen und die letzten veralteten NS-Sichten aus der Welt schaffen, um damit zeigen zu können, was die OEZ-Opfer erster Linie waren: Einzigartige Menschen- Münchner noch dazu. Jene dürfen nicht in Vergessenheit geraten.
Dieser Anreiz motiviert nicht nur Angehörige mit ihren Geschichten und Berichten teil zu haben, sondern auch das Team, einen Film darüber zu drehen.

„I mean, they die twice. One Time when you stop breathing and a second time, a bit later on, when somebody says your name for the last time.” – Banksy

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  1. Blerina sagt:

    Hallo wo kann ich mir tickets vor bestellen?

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